Analysen

Der Analyseablauf des BMWFW sieht folgende Vorgangsweise vor:

Nach der Datenerfassung und -aufbereitung sowie Harmonisierung erfolgt ein erster Zwischenbericht bezüglich etwaiger Besonderheiten.

Anschließend wird bis Ende August von der beauftragten Wirtschaftsprüferin, Frau Mag. Angelika Neugebauer, ein umfassender Schlussbericht übermittelt. Darin sind u.a. auch umfangreiche Einzelauswertungen je Universität bzw. Universitätsvergleiche pro Jahr und Zeitreihendarstellungen enthalten. 

Im Rahmen der Rechnungsabschlussanalyse werden bis zu 90 Kennzahlen zur Vermögens-, Finanz-, Ertragslage, der Liquiditätssituation sowie spezifische Lehr- & Forschungskennzahlen berechnet.

Zum Zwecke der Vergleichbarkeit zwischen den Universitäten wurden bis zum Rechnungsjahr 2009 immer auch einige Harmonisierungen der Daten durchgeführt.

So kam es etwa regelmäßig durch das BMWF zu Saldierungsauflösungen von "Erhaltene Anzahlungen" für "Noch nicht abgerechnete Leistungen". Diese Vorgangsweise führte bei einigen Universitäten zu einer deutlichen Erhöhung der Bilanzsumme.  

Seit der Univ.RechnungsabschlussVO-Novelle im Jahr 2010 sind u.a. diese Maßnahmen nicht mehr notwendig.

Der von den Vorräten offen absetzbare Betrag wird nun von allen Universitäten unter den "Verbindlichkeiten" im Posten "Erhaltene Anzahlungen" als Davon-Vermerk angegeben.

Allerdings muss angemerkt werden, dass durch die von den Universitäten umgesetzten Verordnungsänderungen im Rechnungsabschluss 2010 die Vergleichbarkeit zu den Vorjahren fallweise nur eingeschränkt möglich ist!

 

Eine Auswahl von Kennzahlen finden Sie hier.

 

Es folgen einige Kennzahlendefinitionen:

Eigenmittelquote
Eigenmittel / Bilanzsumme * 100
Die Eigenmittel umfassen die in der Univ. Rechnungsabschluss VO vorgesehenen Bilanzpositionen "A. Eigenkapital" und "B. Unversteuerte Rücklagen" sowie "C. lnvestitionszuschüsse". Die Eigenmittelquote wird jetzt gem. §16 (2) berechnet.
Je höher die Eigenmittelquote desto höher der Sicherheitspolster für künftige Verluste. Obwohl Universitäten als juristische Personen öffentlichen Rechts aufgrund der gesetzlichen Fortbestandsgarantie in ihrem Bestand durch wirtschaftliche Risiken nicht gefährdet sind, ist doch die Möglichkeit, auftretende Verluste durch Eigenmittel aufzufangen - infolge der Teilnahme der Universitäten am allgemeinen Wirtschaftsleben - von Interesse.

Mobilitätsgrad
kurzfristiges Umlaufvermögen / kurzfristige Fremdmittel * 100
Der Mobilitätsgrad (auch „working capital ratio" genannt) wird als Verhältnis des kurzfristigen Umlaufvermögens zum kurzfristigen Fremdkapital definiert. Der Mobilitätsgrad wird jetzt gem. §16 (3) berechnet. Er ist eine wichtige Kennzahl der kurzfristigen Universitätsfinanzierung. Eine Mobilität>100% gilt als positives Zeichen für die grundsätzliche Aufrechterhaltung des finanziellen Gleichgewichts.

Investitionsdynamik
Zugänge immat. Vermögen & Sachanlagen / Abschreibungen immat. Vermögen & Sachanlagen * 100
Die Kennzahl gibt an, ob die Investitionen ausreichen, die gegebene Kapazität aufrecht zu erhalten. Dies trifft zu, wenn die Investitionen zumindest gleich groß sind wie die Abschreibungen. Diese Kennzahl ist, insbesondere wenn Universitäten große Anlagen einsetzen, die stoßweise ersetzt werden, nur dann aussagefähig, wenn sie im Vergleich über mehrere Jahre hinweg festgestellt wird.

Cash-Flow Rate
Ordentlicher Cash-Flow / Betriebsleistung * 100
Die Angabe stellt den Cash-Flow im Verhältnis zur Betriebsleistung dar, und ermöglicht u.a. den zwischenuniversitären Vergleich dieser zentralen betriebswirtschaftlichen Größe in der Zeitreihenanalyse.

Ordentlicher Cash-Flow

Ergebnis der gewöhnlichen Universitätstätigkeit

- Steuern vom Einkommen und vom Ertrag

+ Abschreibungen Sach- u. immaterielle Anlagen

+ Abschreibungen Finanzanlagen

+/- Dot./Aufl. Sozialkapital (inkl. Urlaubsrückstellung)

+/- Dot./Aufl. langfristige Rückstellungen

Der Cash-Flow gibt den in der Rechnungsperiode erwirtschafteten ordentlichen Finanzmittelüberschuss, vor a.o. Ergebnis und Steuern, wieder. Er dient als Maßstab der Selbstfinanzierungsfähigkeit (Investitionskraft) und der Fähigkeit Fremdmittel zu bezahlen. Er bringt generell die wirtschaftliche Entscheidungsfreiheit der Universität und ihre Unabhängigkeit von Financiers zum Ausdruck und stellt damit eine zentrale Bezugsgröße der Liquiditätsanalyse dar.

Fiktive Schuldentilgungsdauer (in Jahre)

Effektivverschuldung / Cash-FIow * 100

Die Kennzahl setzt den Cash-Flow in Relation zur Effektivverschuldung. Es wird damit eine Aussage getroffen, ob eine künftige Rückführung der Fremdmittel (nach Abzug der liquiden Mittel) aus den zu erwartenden ordentlichen Zahlungsüberschüssen künftiger Rechnungsperioden innerhalb realistischer Zeiträume möglich ist. Dabei wird allerdings unterstellt, dass der Finanzmittelüberschuss konstant bleibt und gänzlich für die Schuldentilgung zur Verfügung steht (d.h. keine Investitionen getätigt werden).

Effektivverschuldung

Summe Fremdmittel (inkl. PRA)

- Wertpapiere des Anlagevermögens

- erhaltene Anzahlungen

- liquide Mittel

Die Effektivverschuldung wird durch Abzug der liquiden Mittel des Umlaufvermögens sowie der (kurzfristig realisierbaren) Wertpapiere des Anlagevermögens und der Anzahlungen, soweit sie sich auf nicht abgerechnete Leistungen beziehen, von den Fremdmitteln (Verbindlichkeiten und Rückstellungen einschließlich Sozialkapital) berechnet.

Anlagenintensität

Anlagevermögen / Bilanzsumme *100

Die Anlagenintensität gibt das Verhältnis von Anlagevermögen zur Bilanzsumme wieder. Anlagevermögen bindet meist langfristiges Kapital und verursacht oft erhebliche Kosten, wie etwa Abschreibungen, Instandhaltungskosten etc., die unabhängig von der Beschäftigungs- und Ertragslage anfallen.